Die ersten Pferde

Einem Wimpernschlag der Erdgeschichte gleicht die Zeit von rund 6.000 Jahren, seit Pferd und Mensch in enger Gemeinschaft zusammenleben und das Pferd Schicksal und Entwicklung der Menschheitsgeschichte mitbestimmt. Davor liegen jedoch rund 60 Millionen Jahre, in denen sich die Pferde dem Menschen und der Umwelt angepasst haben.

Vom Fünfzeher zum Einhufer

Vor 60 Millionen Jahren lebten die ersten Vorfahren unserer Pferde in den Urwäldern Nordamerikas und Europas und ernährten sich von Laub, dabei hatten die fuchsgroßen Tiere vorne fünf und hinten vier Zehen. Vor rund 40 Millionen Jahren starb das Hyracotherium in Europa aus unbekannten Gründen aus. In Nordamerika passte sich Eohippus das ” Pferdchen der Morgenröte” jedoch den klimatischen Veränderungen an und entwickelte sich zum Steppenbewohner. Vor 25 bis 15 Millionen Jahren waren die Urpferde Einzeher und hatten die Größe der Ponys, wie wir sie heute kennen. In Nordamerika entwickelte sich vor etwa 12 Millionen Jahren Pliohippus, der bereits ein richtiges Pferd war, ein ausdauerndes und schnelles Fluchttier, welches sich mit einem kräftigen Gebiss von harten Steppengräsern ernährte. Pliohippus wanderte in großen Herden über eine damals noch bestehende Landbrücke im Bereich der heutigen Beringstraße von Alaska nach Sibirien und kehrte auf diesem Weg nach Asien und Europa zurück. Allmählich entwickelte sich dort die Gattung Equidae, die Pferdeartigen, aus der Pferde, Esel und Zebras hervorgingen. In Nordamerika starben die Pferde vermutlich während der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren aus und kamen erst mit den spanischen Eroberern zurück auf den Kontinent. Mit dem Ende der letzten Eiszeit nahm die Bedeutung des Pferdes als Beutetier für die umherziehenden Steinzeitmenschen ab. Bis zur Haustierwerdung des Pferdes vergingen noch einige Tausend Jahre. Die ältesten Funde domestizierter Pferde sind rund 6.000 Jahre alt und kommen aus China und der Ukraine.

Sleipnir- achtbeiniges Lieblingspferd

Pferde beflügeln seit jeher die Fantasie der Menschen und haben ihren festen Platz in Mythen, Sagen, religösen Überlieferungen und der Geschichte gefunden. Bekannt ist Sleipnir, das schnelle, achtbeinige Lieblingspferd des Gottes Odin, Held in der nordischen Mythologie. Auf ihm bestand Odin die kühnsten Abenteuer und soll der Sage nach sogar über Meere und durch die Luft galoppiert sein. Die Bauern ließen eigens für Sleipnir die schönsten Ähren auf dem Feld stehen.

Pegasus, das geflügelte Pferd

Das Flügelross Pegasus entspringt der griechischen Mythologie und gilt als Symbol der Unsterblichkeit. Überall wo Pegasus mit seinen Hufen aufgestampft hat, sollen der Sage nach Quellen entstanden sein. Pegasus wurde geboren, als Perseus der Medusa den Kopf abschlug. Das schwierige Ross konnte erst von Bellerophon mit Hilfe der Göttin Athene gezähmt werden. Pegasus bestand mit seinem Herrn viele Abenteuer, doch dieser wurde durch den besitz seines unsterblichen Pferdes übermütig und beim Versuch, sich in die Götterwelt emporzuschwingen, abgeworfen.

Chiron

In der griechischen Mythologie ist Chiron ein heilkundiger Zentaur – seine Gestalt ist halb Mensch, halb Pferd. Die Vernunft der Menschen ist vereint mit der Kraft und Güte des Pferdes. Doch seine Gutmütigkeit wird dem Zentauren zum Schicksal: An einem vergifteten Pfeil seines Schülers Herukules verletzt sich der unsterbliche Chiron. Seitdem ist er als Sternbild Schütze sichtbar. Hier zielt er bis zum Ende der Zeit mit Pfeil und Bogen auf den giftigen Skorpion.

Mohammeds Wunderstuten

622 geriet der Prophet Mohammed auf seiner Flucht von Mekka nach Medina in einen schweren Sandsturm. Als die Karawane endlich einen Wüstenbrunnen erreichte, stürzten die durstigen Pferde los. Der Prophet rief sie zurück, doch nur fünf Stuten folgten ihm. Mohammed segnete die Stuten und gründte mit ihnen seine arabische Zucht. Um sie zu zeichnen, legte er ihnen den Daumen in den Nacken, woraufhin sich kleine Haarwirbel bildeten. Die edelsten Linien der Araber sollen auf diese fünf Stuten zurückgehen.

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